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Forschungsprojekte

Aktuelle Forschungsvorhaben

Prosodische Theorie des 17. und 18. Jahrhunderts

Das Buchprojekt widmet sich der prosodischen Theorie des 17. und 18. Jahrhunderts. In einem ersten Teil werden die ›tonalen‹ Voraussetzungen des prosodischen Diskurses vorgestellt. Untersucht werden poetologisch tradierte Aspekte des Hörens und Sprechens, der Klanglichkeit der deutschen Sprache und der Herleitung der Poesie aus dem Gesang.

Die prosodischen Systeme werden zweitens in ihrer Mehrdimensionalität erfasst: Neben dem Silbenakzent werden die zeitgenössischen Ausführungen zu Silbenquantität, Tonhöhe, Wortlänge usw. miteinbezogen.

Schwerpunkt der Arbeit ist drittens die darauf aufbauende Frage nach dem Semantisierungs- und Affizierungspotential der Prosodie, das von den Poetiken der Zeit überliefert, variiert und in die unterschiedlichsten Begründungszusammenhänge gebracht wird.

Das Projekt wurde in den Jahren 2009 bis 2012 im Rahmen des Exzellenzclusters ›Languages of Emotion‹ der Freien Universität Berlin zusammen mit Prof. Dr. Winfried Menninghaus, Prof. Dr. Jan Stenger und PD Dr. Friederike Wißmann durchgeführt und wird seit 2012 an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster fortgesetzt. (Projekt-Link)

Publikationen:
– »Wälzen und Rollen«. Goethes jambische Trimeter. In: Goethe-Jahrbuch. Bd. 127 (2010). S. 57–69.
– mit Friederike Wißmann, Jan Stenger und Winfried Menninghaus: Metrum, Rhythmus, Melodie. ›Der Maiabend‹ von Johann Heinrich Voß und Fanny Hensel. In: Poetica. Bd. 43 (2011). S. 81–102.
– Metrik als Tonkunst. Zur ›Zeitmessung der deutschen Sprache‹ von Johann Heinrich Voß. In: Voß’ Übersetzungssprache. Voraussetzungen, Kontexte, Folgen. Hrsg. von Anne Baillot, Enrica Fantino, Josefine Kitzbichler. Berlin, München, Boston 2015. (Transformationen der Antike. Bd. 32.) S. 33–49.
– Akzent und Ton. Prosodische Klang-Grundsätze in Martin Opitz’ und Enoch Hanmanns Dichtungslehren. In: Dichtung für die Ohren. Literatur als tonale Kunst in der Moderne. Hrsg. von Britta Herrmann. Berlin 2015. (Audiotexte. Klang – Kunst – Medien. Bd. 1.) S. 145–166.
– Was ist »accordmäßiger Schwung«? Zu einer Poetik musikalischer Empfindungen bei Friedrich Joseph Wilhelm Schröder. In: Stimmungen und Vielstimmigkeit der Aufklärung. Hrsg. von Silvan Moosmüller, Boris Previšić und Laure Spaltenstein. Göttingen 2017. (Das achtzehnte Jahrhundert. Supplemata. Bd. 21.) S. 142–161.

Karl Philipp Moritz. ›Versuch einer deutschen Prosodie‹

Die kritische Edition und Kommentierung von Karl Philipp Moritz’ ››Versuch einer deutschen Prosodie‹‹ erfolgt für Band 3 (›Schriften zur Kunst- und Literaturtheorie‹) der auf 13 Bände angelegten und seit 2005 erscheinenden ›Kritischen Moritz-Ausgabe‹ (KMA): ›Karl Philipp Moritz. Sämtliche Werke. Kritische und kommentierte Ausgabe. Hrsg. von Anneliese Klingenberg, Albert Meier, Conrad Wiedemann und Christoph Wingertszahn‹. (Projekt-Link)

Rudolf Borchardt. Sämtliche Werke: Gedichte

Seit 2003 liegt eine kritische Edition ausgewählter Gedichte Rudolf Borchardts vor (hg. von Gerhard Schuster und Lars Korten, Stuttgart: Klett-Cotta), jedoch ist damit nur rund die Hälfte des überlieferten lyrischen Werkes zuverlässig ediert, zudem fehlt es an Erläuterungen zu den oftmals voraussetzungsreichen Gedichten. Im Zuge der seit 2018 erscheinenden, auf zwanzig Bände veranschlagten Ausgabe ›Rudolf Borchardt. Sämtliche Werke. Kritische Ausgabe‹ soll hier Abhilfe geschaffen werden.

Publikationen:
– »Unpublizierbar natürlich« – Rudolf Borchardts ›Jamben‹ editionsphilologisch beschattet. In: editio. Bd. 19 (2005). S. 155–169.
– »Gefährlich für jeden der sie nicht hütet«. Rudolf Borchardts ››Jamben‹‹ 1935/36. Materialien und Dokumente zu ihrer Neuedition. Rotthalmünster 2005. (Titan. Mitteilungen des Rudolf Borchardt Archivs. Bd. 1.) [37 S.]
– Rudolf Borchardts Gedichtsammlungen (1900–1906). In: Text + Kritik. Sonderband: Rudolf Borchardt. Hrsg. von Heinz Ludwig Arnold und Gerhard Schuster. München 2007. S. 47–60.
– Textkritisch interpretieren, Text kritisch edieren. Grundsatzfragen bei der Edition von Rudolf Borchardts Lyrik. In: Edition und Interpretation moderner Lyrik seit Hölderlin. Hrsg. von Dieter Burdorf. Berlin, New York 2010. (= Beihefte zu editio. Bd. 33.) S. 113–128.
– Geschichte im Gedicht bei Rudolf Borchardt. In: Geschichtslyrik. Ein Kompendium. Hrsg. von Heinrich Detering und Peer Trilcke. Unter Mitarbeit von Hinrich Ahrend, Alena Diedrich, Christoph Jürgensen. 2 Bde. Bd. 2. Göttingen 2013. S. 948–961.
– Rudolf Borchardts klassizistische Lyrik (1906–1916). In: Rudolf Borchardt und die Klassik. Hrsg. von Dieter Burdorf und Thorsten Valk. Berlin, Boston 2016. (= Klassik und Moderne. Bd. 6.) S. 247–265.

Fiktion durch Rhythmik?

Hinsichtlich ihrer Fiktionalität genießt die Lyrik seit jeher einen Sonderstatus: Bereits in Platons ››Politeia‹‹ werden die als nicht-mimetisch geltenden Dithyramben von mimetischer Epik und Dramatik getrennt. Die in sich ungleiche Gattungstrias hat sich über Jahrhunderte gefestigt und ist mit Blick auf etwaige ›Fiktionalität‹ wiederholt bestätigt worden. Eine Annäherung von Lyrik und Fiktionalität ist erst in den letzten Jahren in Aussicht gestellt worden. Hühn/Kiefer und Schönert/Hühn/Stein behaupten die narratologische Qualität von Lyrik; primär eröffnen sie damit die Möglichkeit von Gedichtinterpretationen auf erzähltheoretischer Basis, sekundär jedoch geht die Behauptung einher, dass auch Gedichte von fiktionalen Weltentwürfen geprägt sind.

Zu fragen bleibt, ob sich Fiktionalität von Lyrik (auch?) in einer Gattungseigenschaft beweist, die Link mit dem Stichwort ›Überstrukturiertheit‹ bezeichnet hat.Die von Kayser noch verhältnismäßig zaghaft versuchten Ansätze zu einer Rhythmustypologie werden der Teilstudie des Projekts ›Fiktion und Darstellung‹ Anregung geben, nicht bloß den semantischen Eigenwert von Rhythmik zu verstehen, sondern auch die Frage beantworten helfen, inwiefern sich aus einem solchen semantischen Eigenwert die Möglichkeit eröffnet, von dem Entwurf fiktionaler Welten sprechen zu können.

Das Projekt ist Teil des DFG-Netzwerks ›Fiktion‹. (Projekt-Link z. Zt. deaktiviert)

 

Abgeschlossene Forschungsvorhaben

Poietischer Realismus. Zur Novelle der Jahre 1848–1888. Stifter, Keller, Meyer, Storm

Das Dissertationsprojekt befasst sich mit der narrativen Vermittlung des Geschehens in der Literatur des Realismus: diese stellt keine poetische Wirklichkeit dar, sondern literarische Künstlichkeit. Darstellung in den Erzählungen des Realismus kennzeichnet sich entschieden als Ergebnis eines ›herstellenden Tuns‹ (gr. ›poiesis‹).

In der Untersuchung der kanonisierten Erzähltexte des Realismus zeigt sich, dass sich die als ›Novelle‹ etikettierte Prosa durch eine ästhetische Qualität auszeichnet, die in der Literaturgeschichtsschreibung bislang nur beiläufig vermerkt worden ist: Kunstfertigkeit können die Texte insofern aufweisen, als sie literarische Fiktion als ›gemacht‹ herausstellen. Formale Differenzierungen etwa von Rahmen und Schachtelrahmen sowie inhaltliche Differenzierungen in Erinnerungsnovelle, Chronik- und Briefnovelle weisen genauso wie Gewährspersonenhinweise und logische Unstimmigkeiten ein und dieselbe Ästhetisierungsstrategie auf: Es wird erzählt, dass erzählt wird.

Zumindest die Novelle des Realismus führt demnach das romantische Programm fort. ›Poesie der Poesie‹ wird als Richtlinie ernstgenommen und läuft den Bemühungen der Realisten um Wirklichkeitsabbildung zuwider. – Die Dissertation ist als Band 187 in die Reihe ››Studien zur deutschen Literatur‹‹ aufgenommen worden. (Verlags-Link)

Publikationen:
– Poietischer Realismus. Zur Novelle der Jahre 1848–1888. Stifter, Keller, Meyer, Storm. Tübingen 2009. (Studien zur deutschen Literatur. Bd. 187.) [259 S.]

Rudolf Borchardt. ›Gedichte‹

Als dritter Band der ››Gesammelten Werke in Einzelausgaben‹‹ erschienen 1957 Rudolf Borchardts ››Gedichte‹‹. Im Zuge der Revision dieses Bandes konnten sowohl die zu Lebzeiten publizierten Gedichte als auch die Gedichte aus dem Nachlass textkritisch ediert und somit bislang gültige Fehlentzifferungen, irrige Zuordnungen und Kontaminationen korrigiert werden. Die Neuedition ermöglichte ferner, den Band mit Anmerkungen zu versehen, die über die Entstehung und Druckgeschichte jedes einzelnen Gedichtes aufklären. Herausgabe zusammen mit Gerhard Schuster. (Verlags-Link)

Publikationen:
– Rudolf Borchardt: Gedichte. Textkritisch revidierte Neuedition der Ausgabe von 1957. Hg. von Gerhard Schuster und Lars Korten. Stuttgart 2003. (Rudolf Borchardt. Gesammelte Werke in Einzelbänden.) [634 S.]

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August 2018.